Kultur & Gesellschaft | 16.07.2014

So gehen die Gauchos


Als das DFB-Team in Berlin mit etwas Verspätung eintraf, wurde natürlich gefeiert. Der Platz am Brandenburger Tor war von einer riesigen Menschenmenge bedeckt, die das Team und die Weltmeisterschaft feierten. Gesungen wurde auch.

„So geh’n die Gauchos, die Gauchos, die geh’n so!“ – das wurde von Klose und Götze am Mikrofon und Schürle, Kroos, Weidenfeller und Mustafi beim Einzug auf die Bühne gesungen, während sie leicht gebückt über die Bühne tanzten.

Das wurde von Hunderttausend Menschen bejubelt, einige Teilnehmer beschlich allerdings ein ungutes Gefühl – auch der Moderator der Show im ZDF sagte, man hätte ihnen das Mikrofon besser nicht gegeben. Am nächsten Tag dann Shitstorms auf Social Media Seiten, kritische Pressestimmen und eine Diskussion über Political Correctness.

Gaucho Tanz: Ziemlich schlechte Idee?

Kann man machen, muss man aber nicht. Die WM-Feier war eine Megasause, so viel ist klar. Doch das Hineininterpretieren von negativen Bedeutungen dieser Zeile liegt eigentlich nicht unbedingt nahe. Journalisten und auch viele Fans kommentierten die Textzeile mit kritischem Beigeschmack. Von Rassismus, fehlender Sensibilität oder Peinlichkeit war die Rede.

Der Vergleich von gebeugten Gauchos und aufrechten Deutschen ist völlig daneben, keine Frage. Und es fehlt an einem PR-Berater im deutschen Team. Man hätte den Shitstorm und die anschließende Diskussion von vorneherein vermeiden können. Aber nun ist es geschehen und wir sind mal wieder überkritisch mit uns selbst.

Übrigens ist Gauchos nicht unbedingt negativ konnotiert: Der Begriff wird auch verwendet für Cowboys in Argentinien, die aus freien Stücken das Leben auf dem Land gewählt haben. Gleichzeitig ist der Kontext wichtig: Es geht um Sport, Fußball und den WM-Pokal; und den fairen Umgang mit Gegnern, den die Deutschen im Verlauf des Turniers immer wieder gezeigt haben.

Profi-Sport ist kein Zuckerschlecken im Außenministerium. Hier herrscht eine andere Sprache. Und die ist manchmal bestimmt geschmacklos und unsensibel. Aber daraus muss man kein Politikum machen und verlangen, dass Fußball in allen Lebenslagen sinnstiftend ist, auch wenn er es sein kann.

 

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